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Reportagen 07.02.2009
-

Vor 200 Jahren wurde Charles Darwin geboren

Von Karsten Grosser
Osnabrück.
Ausgerechnet sein genetisches Erbe hätte Charles Darwin beinahe seinen exponierten Platz in der Wissenschaftsgeschichte versperrt. Genauer gesagt: die Form seiner Nase.

Begründer der Evolutionstheorie: Mit seinem Buch „Über die Entstehung der Arten“ revolutionierte Charles Darwin das wissenschaftliche Weltbild. <i>Foto: dpa</i>
Begründer der Evolutionstheorie: Mit seinem Buch „Über die Entstehung der Arten“ revolutionierte Charles Darwin das wissenschaftliche Weltbild. Foto: dpa
Als Anhänger einer doch eher zweifelhaften Theorie glaubt Kapitän Robert FitzRoy, das Profil des damals 22-jährigen Darwin lasse auf fehlende Entschlossenheit schließen. Und einen Mann mit zu wenig Energie kann er auf einer Weltumsegelung nicht gebrauchen. Etwas muss den Kapitän des britischen Vermessungsschiffs „HMS Beagle“ dann aber doch umstimmen.

Am 27. Dezember 1831 lichtet die Brigg die Anker und startet von Devonport aus zu einer fast fünf Jahre dauernden Reise. Eine Reise, die „das wichtigste Ereignis meines Lebens war“, schreibt Darwin später in seiner Autobiografie. Fürwahr: Am Ende hat er Erkenntnisse gesammelt, die in der revolutionären Evolutionstheorie gipfeln. Veröffentlicht vor 150 Jahren in seinem bahnbrechenden Werk „Über die Entstehung der Arten“. Nicht das einzige Jubiläum in diesem Jahr: In der kommenden Woche wäre der am 12. Februar 1809 im englischen Shrewsbury geborene Naturforscher 200 Jahre alt geworden.

Damals scheint es zunächst, als würde der Sohn eines wohlhabenden Landarztes in die Fußstapfen seines Vaters treten. Nach Abbruch des Medizin-Studiums ist dann eine Karriere als Landpfarrer vorgezeichnet. Doch daraus wird nichts. Im Gegenteil: Mit der Einladung, als Naturforscher auf der „Beagle“ anzuheuern, beginnt die langsame Loslösung von Gott hin zum „Ketzer“ und „Kaplan des Teufels“, wie er damals und heute noch von Fundamentalisten beschimpft wird.

 Mit seiner bislang nicht widerlegten Theorie von der Entstehung der Arten mittels Selektion und Variation nimmt die Wissenschaft Abschied von der Vorstellung, der Mensch sei die Krone der Schöpfung. Vielmehr wird seitdem allgemein akzeptiert, dass alle Lebewesen gemeinsame Vorfahren haben. Mit der natürlichen Auslese als Mechanismus für die Anpassung oder das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten in einer sich verändernden Umwelt.

Ähnlich wie die Evolution selbst reift die Idee davon nur langsam in Darwins Kopf. Während seiner Reise mit der „Beagle“, auf der er massenhaft geologische, zoologische und fossile Proben sammelt und auf weit über 1000 Seiten Notizen macht, entdeckt der Jungforscher zunächst, dass die Erde einer ständigen Dynamik unterliegt. Wie sollten denn sonst versteinerte Muschelschalen in über der Meeresoberfläche gelegene Gesteinsschichten gelangt sein? Mit dem Fund von Fossilien längst ausgestorbener Riesenfaultiere in Südamerika beginnen Überlegungen, das Prinzip der Dynamik von der Geologie auf die Biologie zu übertragen.

 Die wohl wichtigsten Entdeckungen macht er während seines fünfwöchigen Aufenthalts auf den Galapagosinseln im Jahr 1835. Vögel, die Darwin zunächst unterschiedlichen Arten zurechnet, entpuppen sich nach seiner Rückkehr nach England als Finken-Variationen, die sich hauptsächlich durch die Form der Schnäbel unterscheiden. Kurze Schnäbel bei Tieren, die Früchte knacken mussten.

Lange Schnäbel bei Tieren, die Insekten aus dem Boden zogen. Alle Tiere sind Abstammungen von dem Urahn, der einst den weiten Weg vom südamerikanischen Festland auf die Inseln geschafft hatte. Nun ist Darwin also so weit: 1837 schreibt er die berühmten Worte „I think“ („Ich denke“) in sein rotes Notizbuch und malt darunter die Skizze eines Lebensbaums. Die von der Kirche damals propagierte Unveränderlichkeit der Geschöpfe ist widerlegt.

Doch noch ziert sich Darwin, seine Theorie zu publizieren, und behält die blasphemischen Gedanken für sich. Ausnahme: 1844 gibt er – wohl wegen seines chronischen Magenleidens – seiner strenggläubigen Frau Emma einen Entwurf der Theorie, den sie im Fall seines Todes veröffentlichen soll. Erst als am 18. Juni 1858 ein Manuskript des Naturforschers Alfred Wallace eintrifft, das Grundzüge von Darwins Evolutionstheorie enthält, handelt er.

Wenn auch schwermütig: „Die Theorie zu veröffentlichen ist so, als würde man einen Mord gestehen“, berichtet der 49-Jährige – sein andernfalls zerstörtes Lebenswerk vor Augen – einem Kollegen. Doch eine erste gemeinsam mit Wallace erfolgte Publikation bleibt unbeachtet. Erst mit dem Buch „Über die Entstehung von Arten“ – die erste Auflage vom 24. November 1859 mit 1250 Exemplaren wird gleich am ersten Tag komplett verkauft – bricht die Revolution los. Heute gilt die weiterentwickelte Evolutionstheorie als Basis der modernen Biologie.

Artikel Artikel: Darwins Lehre und Gott – für die Kirchen kein Gegensatz
Artikel Artikel: Darwin Bücher
Artikel Artikel: Darwins Leben

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