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Reportagen 08.09.2008
-

Erste Islam-Schulbücher in deutscher Sprache

Von Christof Haverkamp
Osnabrück.
Es ist Pionierarbeit: „Saphir 5/6“ heißt ein neues islamisches Religionsbuch in deutscher Sprache, das der Kösel-Verlag als erstes seiner Art anpreist. Doch das stimme nicht, sagt Bülent Ucar, Professor für islamische Religionspädagogik an der Universität Osnabrück, denn der Önel-Verlag war etwas schneller. Wie ein Edelstein soll „Saphir 5/6“ jungen Muslimen helfen, den Islam, wie es im Vorwort heißt, „in all seiner Vielfalt und Schönheit“ zu entdecken. Damit könnte die Zeit der Loseblattsammlungen im Fach Islam bald enden. „Eine große Erleichterung für die Lehrkräfte“, findet Ucar.

Interessant und peppig aufbereitet ist das neue Religionsbuch für den Islamunterricht, „Saphir 5/6“.
Interessant und peppig aufbereitet ist das neue Religionsbuch für den Islamunterricht, „Saphir 5/6“.
In den 15 Kapiteln von „Saphir 5/6“ geht es um Gott, Gebete, Engel, den Propheten Muhammad und den Koran. Die Lebenswelt der Schüler greifen die Verfasser ebenfalls auf. Das Schulbuch behandelt Themen wie Auswanderung, Gerechtigkeit, Frieden, Rechte und Verantwortung. Auch vergleicht „Saphir 5/6“ ganz nebenbei an vielen Stellen den Islam mit Christentum und Judentum, verweist auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Zugelassen ist es in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Geprägt ist das Buch von einem modernen, ansprechenden Layout mit Fotos, Collagen, Liedern, Zeichnungen und von Kalligraphien mit arabischen Schriftzeichen. Viele Fragen sollen zum Nachdenken und Handeln anregen, etwa: „Versetze dich in die Lage Muhammads“ oder „notiere eine Woche lang, wem und wann du etwas Gutes getan hast“.

Fachleute reagieren durchweg positiv. So lobt Reinhold Mokrosch, emeritierter Professor für evangelische Religionspädagogik, „Saphir 5/6“ schaffe es, eine eigene muslimische Identität zu geben und sich gleichzeitig mit anderen Religionen zu verständigen. „Das ist richtig gut gelungen“, sagt der Osnabrücker Wissenschaftler, ein Fachmann für die Ausbildung muslimischer Religionslehrer. „Sehr schülernah“ findet er, dass das Buch auch ethische Fragen wie Lüge, Rache, Vergebung behandelt. „Schwierige Themen des Glaubens werden geschickt erarbeitet.“ Manchmal könnten 11- bis 13-Jährige, für die das Buch gedacht sei, jedoch theologisch überfordert sein, merkt Mokrosch an.

„Gelungen“ findet das Buch auch der ehemalige Dialogbeauftragte des Bistums Osnabrück, Aloys Lögering, der den Islamunterricht an der katholischen Michaelschule in Papenburg begleitet. Diese Haupt- und Realschule sei vermutlich die einzige Schule in Niedersachsen, in der muslimische Schüler mit dem Schulbuch arbeiteten. Lögering hält „Saphir 5/6“ für innovativ, informativ und „in der Mitte des Islam“. Kritisch bewertet der Religionspädagoge nur das Lexikon am Ende des Buches, das manche Begriffe fehlerhaft erkläre. Lögering vermutet, Bedenken könnten Muslime äußern, die lieber Frontalunterricht und Auswendiglernen wie in vielen Koranschulen wollten.

Bülent Ucar teilt diese Sorge nicht. Er sieht den Islam-Unterricht mit „Saphir 5/6“ eher als Ergänzung zu Koranschule und Moschee-Unterricht. Die Schule habe eine andere Aufgabe. Von dem Religionsbuch ist Ucar ebenfalls angetan. Die Lebenswirklichkeit der Schüler werde ebenso thematisiert wie die islamische Tradition. „Ich kann das alles nur begrüßen“, sagt Ucar und verweist darauf, dass noch mindestens vier weitere Schulbuch-Verlage derzeit an Islam-Büchern arbeiten.

Saphir 5/6: Lamya Kaddor, Rabeya Müller, Harry Harun Behr (Herausg.), Religionsbuch für junge Musliminnen und Muslime. Kösel-Verlag, München 2008, 192 Seiten, 14,95 Euro.  

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